Neuer Geschichtspfad erinnert an 367 Jahre Schulgeschichte
Kreisgymnasium St. Ursula: Landkreis Emsland stellt Konzept für Erinnerungsort vor
Haselünne. Bis ins 17. Jahrhundert reicht die spannende und wechselvolle Geschichte des Kreisgymnasiums St. Ursula in der Stadt Haselünne zurück. Um die historische Entwicklung der Schule, die mit der der Stadt eng verwoben ist, sichtbar zu machen, soll nun ein Geschichtspfad eingerichtet werden. In einer gemeinsamen Pressekonferenz stellten alle beteiligten Akteure vom Landkreis Emsland, der Stadt Haselünne, Heimatverein Haselünne, Verein der Freunde und Förderer der alten Klosterkirche, vom beauftragten Fachbüro „Geschichtsmanufaktur“, der Gedenkstätte Esterwegen und der Schule das Vorhaben vor.
Mit Gründung eines Mädchenpensionats im Jahr 1658 durch niederländische Schwestern des Klarissenordens beginnt die spannende und wechselvolle Entwicklung der Einrichtung. Mitte des 19. Jahrhunderts übernahmen Ordensschwestern aus dem Ursulinenkonvent in Dorsten das Areal und errichteten hier eine Unterrichtsanstalt, die spätere St. Ursula-Schule. Während des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmten die Nationalsozialisten die Einrichtung und vertrieben die Ursulinen aus Haselünne. Zwischen 1941 und 1945 richteten sie hier eine so genannte Nationalpolitische Erziehungsanstalt (NPEA) ein, eine Art Kaderschmiede der NSDAP.
Der Umgang mit diesem wohl dunkelsten Kapitel der Schulgeschichte führte 2021 zu kontroversen Debatten: Der Kreistag beschloss nach intensiver Abwägung den Abriss eines ehemaligen Schulgebäudes, das mit dieser Zeit in Verbindung stand. Die Haselünner Stadtgesellschaft mit Heimatverein und eigens gegründeter Bürgerinitiative sprach sich damals gegen den Abriss aus. Der Schulvorstand des Kreisgymnasiums befürwortete das Vorhaben ausdrücklich, denn es eröffnete neue schulische Entwicklungsmöglichkeiten.
„In der Folge wurde intensiv über die richtige Form der Erinnerungskultur nachgedacht – und aus diesem Prozess entstand das Konzept für den heutigen Geschichtspfad“, sagt Martin Gerenkamp, zuständiger Schul- und Kulturdezernent. Er hebt hervor: „Durch den Abriss des nicht denkmalgeschützten und auch für den Schulbetrieb nicht mehr genutzten Altbaus gewann die Schule einen modernen, offenen Campus. Zudem sollte die Erinnerungskultur nicht allein an einem Gebäude festgemacht werden“.
Vielmehr entschieden sich die verantwortlichen Akteure nach erfolgtem Abriss für den dann eingeschlagenen Weg: Eine 2021 gegründete Kommission mit Expertinnen und Experten sowie Interessensvertretern verschiedener Einrichtungen und Initiativen (u.a. Landkreis Emsland, Stadt Haselünne, Gedenkstätte Esterwegen, Kreisgymnasium St. Ursula, Heimatverein Haselünne, Verein der Freunde und Förderer der alten Klosterkirche, Bistum Osnabrück) konkretisierte gemeinsam mit dem beauftragten Fachbüro „Geschichtsmanufaktur“ aus Dortmund die Idee eines Gedenk- und Erinnerungsortes.
„Der Geschichtspfad stellt in besonderer Weise die lange Tradition und einzigartige wechselnde Rolle der Bildung an diesem Schulstandort dar. Die nunmehr herausgestellten Momente sind Erinnerung, Mahnung und Verpflichtung zugleich, Bildung als elementaren Baustein für unser gesellschaftliches Leben zu sehen“, sagt Bürgermeister Werner Schräer.
Das erarbeitete Konzept eines Geschichtspfades sieht vor, dass ab der zweiten Jahreshälfte 2025 vier dreieckige Info-Stelen auf dem Schulhof von der bewegten Geschichte des Kreisgymnasiums berichten. Jeweils drei Tafeln formen dabei ein thematisches „Cluster“, das auf eine wichtige Phase der Schulgeschichte Bezug nimmt. Flankierend sollen an Übergangszonen zur Innenstadt sogenannte Hinweistafeln oder Wegweiser entstehen, die über die geschichtliche Route und den Anlass des Projekts Auskunft geben. Über QR-Codes auf den Infotafeln sollen die Inhalte der Tafeln durch umfangreichere Artikel, Bild- und Textzeugnisse ergänzt werden. Zusätzlich sollen Flyer und Postkarten in Umlauf gebracht werden, um die Bürgerinnen und Bürger auf den Erinnerungsort aufmerksam zu machen. „Der geplante Gedenk- und Erinnerungsort funktioniert wie eine dauerhafte Freiluftausstellung über 367 Jahre Schulgeschichte“, sagt Katharina Hülscher, Leiterin der „Geschichtsmanufaktur“.
Der Heimatverein Haselünne ist formaler Vorhabenträger, vertreten durch Katja Kuhlmann, Kulturmanagerin des Freilicht- und Heimatmuseums Haselünne, und Dr. Philipp Scheid, Abteilungsleiter Kultur beim Landkreis Emsland. Insgesamt entstehen Kosten in Höhe von 32.500 Euro. Der Landkreis Emsland und die Stadt Haselünne werden sich zu gleichen Teilen mit einer Zuwendung in Höhe von je 11.250 Euro beteiligen. Neben Landkreis Emsland und Stadt Haselünne sind weitere Fördermittelgeber um Unterstützung ersucht worden.
Bild 1: Sind zufrieden mit den Planungen und freuen sich auf eine baldige Umsetzung: die Akteure vom Landkreis Emsland, der Stadt Haselünne, Heimatverein Haselünne, Verein der Freunde und Förderer der alten Klosterkirche, vom beauftragten Fachbüro „Geschichtsmanufaktur“, der Gedenkstätte Esterwegen und der Schule.
Bild 2: Alle Beteiligten stellten das Vorhaben in einem Pressegespräch vor. (Fotos: Landkreis Emsland)